Bestreben
Was ist unser Bestreben?
Der Bundesverband der Sporttherapeuten in -forensischen- Psychiatrien e.V. hat sich zu einem Hauptziel gesetzt, die Sporttherapie in (forensischen) Psychiatrien zu professionalisieren. Grundlage hierfür sind standardisierte Rahmenbedingungen, angefangen von einer wissenschaftlich fundierten Ausbildung über zugeschnittene Fachqualifikationen, allgemeinen Rahmenbedingungen (Rahmenkonzept, Ausstattungskriterien) bis hin zu Empfehlungen hinsichtlich qualitätsgesicherten Therapeuten-Patienten-Schlüsseln, Therapeutischen Angeboten und einer angemessenen Eingruppierung sowie der entsprechenden öffentlichen Wahrnehmung der Interessen von Sporttherapeut(inn)en in (forensischen) Psychiatrien.
Welche Kriterien sprechen für eine professionelle Sporttherapie in (forensischen) Psychiatrien?
Die medizinische Notwendigkeit der Sporttherapie in der (forensischen) Psychiatrie stützt sich mittlerweile auf eingehende Studien. Diese zeigen, dass Sport direkt auf kriminogene Faktoren und die klinische Stabilität wirkt. Insbesondere die neuen S3-Leitlinien „Psychosoziale Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen“ (2025/2026), werten die Sport- und Bewegungstherapie als integralen Bestandteil der psychiatrischen Behandlung deutlich auf. Sie wandeln die Sporttherapie von einer "begleitenden Maßnahme" hin zu einer evidenzbasierten, notwendigen Behandlungssäule, die für alle Patienten mit schweren psychischen Verläufen zugänglich sein sollte.
Folgende Wirkweisen sind dabei belegt:
1. Senkung von Aggressivität und Gewaltpotenzial
Studien in forensischen Settings bestätigen, dass Sporttherapie kein Ventil für Aggression ist (veraltete Dampfkessel-Theorie), sondern ein Training zur Affektregulation.
Impulskontrolle: Körperliche Aktivität stärkt die Konnektivität im präfrontalen Kortex, der Schaltzentrale für die Kontrolle von Impulsen.
Prosoziales Verhalten: Kooperative Aufgaben in der Sporttherapie zielen direkt auf die Reduktion aggressiver Gefühle und die Verbesserung des Selbstwerts ab.
Stimmungsstabilisierung: Bereits geringe Einheiten (ca. 1 Std./Woche) senken nachweislich depressive Symptome, die oft Auslöser für auto- oder fremdaggressive Durchbrüche sind.
2. Neurobiologische "Wegbereiter-Funktion"
Sporttherapie schafft die biologische Basis, damit andere Therapien überhaupt wirken können.
Neuroplastizität: Bewegung erhöht die Ausschüttung von neurotrophen Faktoren (wie BDNF), was die Bildung neuer Nervenverbindungen fördert.
Kognitive Remediation: Sport verbessert exekutive Funktionen, Aufmerksamkeit und Gedächtnis. Patienten, die sporttherapeutisch behandelt werden, können kognitive Inhalte aus der Psychotherapie besser verarbeiten und abspeichern.
3. Management des Metabolischen Syndroms
In der Forensik ist die somatische Stabilität ein kritisches Thema.
Nebenwirkungen auffangen: Patienten unter Neuroleptika haben ein extrem hohes Risiko für Adipositas und Diabetes Typ 2. Sport- und Bewegungstherapie ist die einzige evidenzbasierte Methode, um diese lebensverkürzenden Nebenwirkungen aktiv zu bekämpfen und die Compliance für die Medikation zu erhöhen.
4. Transfer in die Praxis („ImPuls“-Studie)
Das wissenschaftliche Projekt ImPuls des DVGS hat mit über 400 Patienten gezeigt, dass strukturierte sporttherapeutische Gruppenverfahren die psychische Symptombelastung massiv senken – oft mit Effekten, die denen einer rein medikamentösen Therapie gleichgestellt oder zum Teil sogar überlegen sind.
Sporttherapie in der Forensik ist keine Freizeitgestaltung, sondern eine hochspezifische funktionelle Therapie, die das Gehirn biologisch aufnahmefähig macht, die Sicherheit durch Impulskontrolle erhöht und die körperliche Unversehrtheit der Patienten bei starker Medikation sichert.